DHB-Herren mit bärenstarker Leistung im Finale

23. August, Herren-EM in Boom, Halbfinale: Niederlande – Deutschland 3:5 (2:1)

23.08.2013 – Die deutschen Herren sind mit ihrer besten Turnierleistung bei der Europameisterschaft in Boom völlig verdient ins Finale eingezogen. Gegen die Niederlande ließ sich das Team auch nicht durch einen unglücklichen 1:2-Halbzeitrückstand aus dem Konzept bringen, sondern blieb das überlegene Team und drehte die Begegnung in einen 5:3-Sieg. Mats Grambusch (2), Tobias Hauke, Thilo Stralkowski und Oskar Deecke trafen zum ersten Halbfinalsieg bei einer EM gegen ein niederländisches Team. Gegen wen das DHB-Team am Sonntag seinen Titel in Boom verteidigt, entscheidet sich erst im zweiten Halbfinale zwischen England und Gastgeber Belgien.
Bundestrainer Markus Weise: „Heute hat jeder seinen Job auf dem Platz hervorragend erfüllt, sowohl in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsbewegung. Wenn das so klappt, dann kann ein Team auch schon mal über sich hinaus wachsen. Holland hat seine Standards gut genutzt. Davon haben wir uns aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wenn ich mir einen Gegner fürs Finale wünschen dürfte, wäre es eher Belgien. Gegen die haben wir im ersten Turnierspiel verdient verloren und würden da gern etwas gerade rücken. Außerdem wäre es hier vor der Heimkulisse in Boom das Finale mit mehr Flair.“

Vor dem Halbfinale wurde im deutschen Team Martin Zwicker durch DHB-Präsident Stephan Abel für seinen 100. Länderspieleinsatz geehrt. Nach Anpfiff nutzte Deutschland gleich eine Unordnung in der Defensive der Oranjes, als Stralkowski frei in den Kreis laufen konnte und schoss, aber ein Stecherversuch blieb erfolglos. Kurz darauf erneut das DHB-Team beinahe erfolgreich: Fuchs prüfte Jaap Stockmann und Stralkowski hätte am Pfosten beinahe den Volley reindrücken können (3.). Das DHB-Team mit den klareren Chancen.
In der 4. Minute musste Stockmann gegen einen harten Schrubber von Tobias Hauke alles aufbieten. Holland zu Beginn mit Problemen im Aufbau, kam bei den Deutschen nicht richtig durch. Dadurch blieben Chancen von Oranje Mangelware. Die erste hatte Robbert Kempermann in der 8. Minute, der nur das Außenbrett traf. Dann zockte sich Wesley durch die gesamte Hälfte der Holländer und konnte erst im Kreis gerade noch gestoppt werden. Das Match war danach nun ausgeglichener.
Auch Holland hatte gute Offensivphasen, kamen aber gegen die gut stehende Defensive nicht durch. Ein starker Rechtsangriff über Hauke und Fuchs brachte die erste Ecke für Deutschland (18.). Fürstes Schlenzer wurde jedoch erneut stark von Stockmann pariert. Im Konter holte sich Holland seine erste Ecke, als gegen Häner Foulspiel gepfiffen wurde. Und Mink van der Weerden machte es besser als der deutsche Kapitän. Er traf halbhoch rechts zum 1:0 für Oranje (19.). Die Holländer hatten nach einem Ballverlust von Rabente kurz darauf eine weitere gute Konterchance, ließen diese aber aus.
Nach tollem Stecher von Grambusch, den erneut Stockmann hielt, holte Stralkowski die zweite Ecke (22.). Die Stechervariante auf Wesley hatte aber keinen Erfolg – wieder war es knapp. Insgesamt eine bislang ganz starke Vorstellung des DHB-Teams, das sich einfach noch nicht mit Toren belohnt hatte. Martin Zwicker holte mit ganz starkem Solo in der 30. Minute die nächste Ecke für sein Team. Und die wurde überraschend auf Tobias Hauke ganz rechts an den Kreis gespielt, der von dort mit hartem Schrubber ins lange Eck traf (30.).
Ein harter Flankenball von links brachte jedoch in der 33. Minute auch Holland die zweite Ecke, weil diesen ein deutscher Verteidiger an den Fuß bekam. Und erneut van de Weerden bezwang Nico Jacobi, der zwar mit dem rechten Kicker noch dran war, aber den Ball nur hoch ins Tor ablenken konnte. Letztlich ging das holländische Team mit einer glücklichen 2:1-Führung in die Pause. Bis auf die beiden Ecken hatten die Schützlinge von Paul van Ass nicht viel auf das deutsche Tor gebracht, aber die beiden Ecken saßen halt. Und Deutschland machte aus den vielen eigenen Torchancen zu wenig.

Zu Beginn der zweiten Hälfte war etwas weniger Tempo im Spiel. Beide Defensivreihen standen sicher, ließen kaum etwas zu. Riesen Glück für Holland, als Benjamin Wess am rechten Pfosten nur um Millimeter an einer Flanke vorbei rutschte – das hätte das 2:2 (42.) sein können. Ein missglückter Häner-Abschlag brachte Holland dann mal in Konterposition, doch der Berliner bügelte es mit vollem Körpereinsatz selbst wieder aus. Und im nächsten Angriff fiel endlich der längst verdiente Ausgleich. Grambusch und Wesley brachten die Kugel in den Kreis und Stralkowski traf mit einem satten Schuss mit hoher Rückhand (44.).

Thilo erzielt den Treffer zum 2:2


Die Deutschen mit den klar besseren Aktionen, waren gefährlicher. Fürk vergab nach starkem Angriff über Fürste im Kreis ein Anspiel auf Fuchs, der frei auf der Grundlinie stand. In der 50. Minute musste Jacobi mal wieder ran und er räumte Valentin Verga samt Ball vom Platz – regelgerecht, allerdings! Und dann brachte ein ganz starker Angriff zweier Yongster die verdiente Führung. Fuchs jagte die Kugel von rechts flach durch den Kreis und Mats Grambusch stach ihn ins lange Ecke (53.). Holland musste nun Druck machen, doch Jacobi und Arnold klärten in Gemeinschaftsarbeit stark gegen Verga, der am linken Pfosten an den Ball kam.
Die Angriffe der Deutschen nun blitzsauber und schnell. Wesley prüfte Stockmann mit flachem Rückhandschuss von links (55.). Im Konter bekam Holland im Gewühl im deutschen Kreis die dritte Ecke zugesprochen. Kapitän Moritz Fürste nahm jedoch den Videobeweis, um die Entscheidung zu widerlegen. Und er bekam Recht (57.). Die Entscheidung wurde zurückgenommen. Jacobi musste zwar behandelt werden, konnte aber weiter spielen. Im Konter wurde Moritz Fürste am holländischen Kreis gefoult, bekam aber nur den Freischlag. Glück, dass im nächsten Konter Rogier Hofman in den Rücken angespielt wurde, er wäre sonst durch gewesen.
Dafür holte Benny Wess im Gegenangriff die nächste Ecke für Deutschland. Und da klappte erneut ein Traumanspiel auf Mats Grambusch, dessen Stecher hoch ins Tor ging. Die Schiedsrichter nahmen selbst den Videobeweis, weil ein Holländer sich im Gerangel mit Grambusch verletzt hatte. Doch das Tor wurde gegeben – Deutschland führte nun mit 4:2 (60.). Die Niederländer nun mit der Schlussoffensive, aber da stand immer ein Deutscher im Weg, letztlich sonst Jacobi, der zwei Mal Flankenläufe auf der Grundlinie unterband. So musste es für Oranje durch die Mitte gehen und da klappte eine wirklich tolle Kombination, die Billy Bakker aus kurzer Distanz zum 3:4 (65.) abschloss.
Es blieb spannend. Bis zur letzten Sekunde. Holland nahm 28 Sekunden vor Ende noch einmal den Videobeweis, um eine Ecke zu erzwingen, bekam aber kein Recht. Im Konter über Fuchs hätte fast Stralkowski das 5:3 gemacht. Dann fing Hauke aber den schnellen Abschlag der Holländer ab und die Deutschen spielten den Konter ganz clever aus, bis Oskar Deecke halbhoch ins kurze Eck zum 5:3-Siegtreffer einschlenzte (70.).

Tore:

1:0 Mink van der Weerden (KE, 19.)
1:1 Tobias Hauke (KE, 30.)
2:1 Mink van der Weerden (KE, 33.)
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2:2 Thilo Stralkowski (44.)
2:3 Mats Grambusch (53.)
2:4 Mats Grambusch (KE, 60.)
3:4 Billy Bakker (65.)
3:5 Oskar Deecke (70.)

Strafecken:
NED 2 (2 Tore) / GER 4 (2 Tore)

Schiedsrichter:
Nathan Stagno (GIB) / Geoff Conn (IRL)

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